Interne Soziokratie ExpertIn “Führungskraft im Soziokratischen Unternehmen”

1) Soziokratische Führungskräfte

Die Führungsrolle in soziokratischen Unternehmen unterscheidet sich sehr von herkömmlichen Erwartungen und Bildern über GeschäftsführerInnen, AbteilungsleiterInnen und Obfrauen/-männer. Neben der gemeinsamen Verantwortung des Kreises für alle Grundsatzbeschlüsse (Entscheidungen im Konsent), unterstützt und entlastet nun auch die soziokratische Gesprächsführung und die Rolle der Delegierten  die Führungskräfte von früheren Aufgaben. Es geht jetzt um die Leitung einer Organisation, einer Abteilung, die weitgehend autonom ist bei ihrer Zielverwirklichung, um mitverantwortliche Mitarbeiterinnen die in alle Grundsatzentscheidungen eingebunden sind und um deren Potentialentfaltung durch die Verteilung der Rollen und Aufgaben im Konsent. Aber auch darum, die Teammitglieder bei der Ausführung der gemeinsam beschlossenen Aktivitäten zur Zielverwirklichung zu unterstützen, Spannung und Entspannung zu erzeugen,  Prozesse zur Zielverwirklichung zu initiieren, Mitwirkende aber auch zu korrigieren, zu unterstützen und zu motivieren,. Es geht auch um die ganz andere Art von Mitarbeitergesprächen, die in der SKM “Soziokratische Entwicklungsgespräche” heißen, und vieles mehr …

Ausbildungsweg:

  1. Inhouse-Training oder externer Besuch von Modul 1 “Soziokratische Meetings gestalten” und Modul 2 “Soziokratisches Arbeiten im Team”. Für Geschäftsführerinnen auch Besuch von Modul 3 “Soziokratische Organisation vom Individuum bis zur Gesellschaft”.
  2. Beteiligt sein beim Prozess der Implementierung in der eigenen Organisation.
  3. Das eigene Unternehmen, die Abteilung oder das Team soziokratisch leiten.
  4. Ein Jahr lang Austausch im internen Kreis für Führungskräfte (Teil der Implementierung).
  5. Bericht über die Erfahrungen mit Managementaufgaben und Teamleitung bei den österreichischen TSG-Auditoren einreichen.
  6. Wird der Bericht akzeptiert, kommt es zum Zertifizierungsgespräch und bei Erfolg zum Eintrag in die österreichische Liste für “Soziokratische Führungskräfte”, sowie auf Wunsch ein Link auf der Webseite in der Rubrik “Soziokratische Organisationen”.
  7. Weiterer, regelmäßiger Austausch im internen Kreis für Führungskräfte und in der “Community of Practise” im Soziokratie Zentrum Österreich, unter Leitung von erfahrenen Soziokratie Expertinnen (CSE).

2) Audit als “Soziokratisches Unternehmen”

Gewöhnlich treffen sich erfahrene soziokratische GeschäftsführerInnen und Aufsichtsratsmitglieder in den Topkreisen zertifizierter soziokratischer Unternehmen. Solche gibt es derzeit nur in den Niederlanden. In Österreich haben 2016 die ersten drei Unternehmen mit der Implementierung von soziokratischen Entscheidungsstrukturen gestartet. In einigen Jahren werden sie die SKM eventuell in ihrer Satzung verankert und einen Topkreis eingeführt haben. Der Topkreis ist zuständig für die Firmenstrategie zur Erreichung der Ziele. Die Unternehmensführung sorgt dort – im soziokratischen Konsent und doppelt gekoppelt mit den Delegierten aus dem Allgemeinen Kreis – für eine nachhaltige Organisationsentwicklung im Sinne der soziokratischen Unternehmenskultur. Darum sollten die Mitglieder des Topkreises eine fundierte Ausbildung in der SKM anstreben, was auch eine Voraussetzung dafür ist, ein Zertifikat (Audit) als “Soziokratisches Unternehmen” oder “Soziokratische Organisation” zu bekommen.

Der Unternehmensführung empfehlen wir,  die Module 1, 2 und 3 zu besuchen. Zusätzlich werden Sie bei der Implementierung der SKM ins Unternehmen, in den firmeneigenen Kreisen zusammen mit ihren MitarbeiterInnen, von den Soziokratie ExpertInnen in der SKM geschult.

Sobald im Gesellschaftsvertrag oder in den Statuten die Soziokratie als Organisationsform festgeschrieben ist, kann ein soziokratiches Audit anhand der Soziokratie Norm SCN 1001-1 eingeleitet werden. Das Audit wird von den Auditoren im Soziokratie Zentrum Österreich durchgeführt. Das Unternehmen entspricht mit der Zertifizierung als “Soziokratisches Unternehmen” dann auch ausgewählten Kriterien der Qualitätsmanagement-Norm EN ISO 9000 und 9001 und entspricht in weiten Teilen den Anforderungen der Werte-Spalte “Mitbestimmung und Transparenz” bei der Gemeinwohl-Bilanz.